Medical Device Design

Was versteht man unter der Medical Device Design?

Medical Device Design umfasst oftmals eine Vielzahl von Ingenieurwissenschaften wie Mechanik, Elektronik und fluidtechnische Systeme sowie die Software- und Algorithmusentwicklung. Über die grundlegenden Forschungs- und Entwicklungsaufgaben hinaus umfasst der Entwicklungsprozess medizinischer Geräte auch Test-, Verifikations-, Validierungs- und Zertifizierungsaktivitäten, die sicherstellen, dass das Gerät seine Anforderungen erfüllt und internationalen Vorschriften (wie FDA, MDR und IVDR) sowie Normen (wie IEC und ISO) entspricht. Diese Vorschriften und Normen, wie beispielsweise IEC 62304, sollen sicherstellen, dass das Medizinprodukt für den Einsatz im Gesundheitswesen sicher ist.

Entwicklungsprozesse für Medizinprodukte kommen bei einer Vielzahl von Geräten zum Einsatz, darunter:

  • Therapiegeräte, darunter Beatmungsgeräte, Infusionspumpen, Dialysegeräte und Herzschrittmacher
  • Bildgebende Medizinprodukte, darunter MRT-, CT-, Röntgen-, Ultraschall- und Endoskopiesysteme
  • Patientenüberwachungsgeräte, darunter ECG-, EEG-, PPG-, SpO₂- und EMG-Systeme
  • Hörgeräte, darunter Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte und Cochlea-Implantate
  • Chirurgische Geräte, darunter Operationsroboter, Insufflatoren und Anästhesiegeräte
  • In-vitro-Diagnostika, darunter Blutanalysatoren, Chemieanalysatoren und Immunassays
Ein chirurgischer Roboter mit mehreren gelenkigen Armen in einem modernen Operationssaal.

Ein chirurgischer Roboter ist ein komplexes, multidisziplinäres Medizinprodukt.

Der Prozess des Medical Device Design

Der Entwicklungsprozess für Medizinprodukte ist ein strukturierter Ablauf, der einen klinischen Bedarf über mehrere zentrale Phasen in ein marktreifes Produkt überführt. Hierzu gehören: Konzeptentwicklung, Machbarkeitsanalyse, detaillierte Konstruktion, Prototyping, Verifikation und Validierung, Zulassung sowie Markteinführung. Dieser Prozess basiert in hohem Maße auf der Zusammenarbeit funktionsübergreifender Teams, darunter Ingenieure, Wissenschaftler, klinisches Fachpersonal sowie Regulatorikexperten. So wird sichergestellt, dass das Medizinprodukt nicht nur technisch ausgereift, sondern auch sicher, wirksam und auf die Anforderungen der Endbenutzer abgestimmt ist. Prototyping und Tests sind integrale Bestandteile des gesamten Entwicklungszyklus: Dabei kommen Methoden wie Rapid Prototyping, Bench-Tests, In-silico-Medizin und klinische Bewertungen zum Einsatz, um das Medizinprodukt iterativ zu optimieren und sicherzustellen, dass es die strengen Leistungs- und Sicherheitsanforderungen erfüllt, bevor es auf den Markt gelangt.

Medical Device Design mithilfe von System Composer: Screenshots von Architektur- und Komponentenhierarchieansichten sowie einem Komponentendiagramm.

Verschiedene Systemarchitektur- und Komponentenansichten einer Hämodialysemaschine, visualisiert in System Composer™. (Siehe Dokumentation.)

Regulatorische Compliance im Medical Device Design

Die regulatorische Compliance ist beim Medical Device Design entscheidend, um sicherzustellen, dass Produkte sicher und wirksam sind und internationalen Standards entsprechen. Zu den wesentlichen Vorschriften gehören die Anforderungen der US-amerikanischen FDA mit den Entwicklungsregelungen gemäß 21 CFR Part 820, die europäische MDR und IVDR, ISO 13485 für Qualitätsmanagementsysteme sowie IEC 62304 und IEC 82304 für Lebenszyklusprozesse von Medizinprodukten und Gesundheitssoftware. Die Einhaltung dieser Standards ist entscheidend, um sowohl die Marktzulassung zu erlangen als auch die Patientengesundheit zu schützen und Risiken zu minimieren. Die Aufrechterhaltung der Compliance über den gesamten Entwicklungsprozess eines Medizinprodukts hinweg erfordert die frühzeitige Integration regulatorischer Anforderungen, eine präzise Dokumentation von Entwicklungsentscheidungen, umfassende Risikoanalysen sowie die Einbindung von Regulatorikexperten, um sich in den sich stetig ändernden Vorgaben sicher zurechtzufinden. Dieser proaktive Ansatz erleichtert Zulassungsverfahren und unterstützt die Bereitstellung hochwertiger Medizinprodukte für den Markt.

Qualitätsmanagementsysteme im Medical Device Design

Ein Qualitätsmanagementsystem (QMS) im Medical Device Design ist ein strukturiertes Framework, das sicherstellt, dass Produkte kontinuierlich Kundenanforderungen und regulatorische Vorgaben erfüllen. Zentrale Bestandteile eines QMS umfassen Dokumentenlenkung, Entwicklungsregelung, Risikomanagement, Zulieferermanagement, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen sowie interne Audits. Ein fehlerresistentes QMS beeinflusst die Entwicklung eines Medizinprodukts direkt, indem es Qualität in jede Phase integriert – vom ersten Konzept über die Produktion bis hin zur Marktüberwachung. Dadurch werden Fehler reduziert, die Sicherheit erhöht und die Gesamtleistung des Produkts verbessert. Bewährte Praktiken für die Umsetzung eines effektiven QMS umfassen die Ausrichtung an ISO 13485 und weiteren Normen, die Förderung einer Kultur der kontinuierlichen Verbesserung, eine klare und umfassende Dokumentation sowie regelmäßige Schulungen des Personals, um mit regulatorischen Anforderungen und Qualitätsprozessen Schritt zu halten.

Risikomanagement im Medical Device Design

Das Risikomanagement im Medical Device Design ist ein zentraler Prozess gemäß ISO 14971, der eine systematische Vorgehensweise zur Identifikation, Bewertung, Steuerung und Überwachung von Risiken beschreibt, die mit Medizinprodukten verbunden sind. Während des Entwicklungsprozesses eines Medizinprodukts müssen Teams potenzielle Gefahren proaktiv identifizieren, die Wahrscheinlichkeit und Schwere möglicher Schäden bewerten und Maßnahmen implementieren, um Risiken auf ein akzeptables Niveau zu reduzieren. Effektives Risikomanagement umfasst Tools und Methoden wie Gefährdungsanalysen, Fehlermöglichkeits- und -Einflussanalysen (FMEA), Fehlerbaumanalysen sowie Risiko-Nutzen-Bewertungen. Durch die frühzeitige und kontinuierliche Anwendung dieser Praktiken können Hersteller von Medizinprodukten die Produktsicherheit erhöhen, regulatorische Anforderungen erfüllen und Vertrauen bei Anwendern und weiteren Stakeholdern aufbauen.

Screenshot mit einer Tabelle der FMEA-Ergebnisse für die Medizinproduktentwicklung, einschließlich Systemfehlern, deren Auswirkungen und Schweregrad, Ursachen, Erkennungsmechanismen und Gegenmaßnahmen.

Durchführung einer FMEA für eine Hämodialysemaschine mithilfe des Simulink Fault Analyzer™. (Siehe Dokumentation.)

Aktuelle Trends im Medical Device Design

Rasante technologische Entwicklungen, wie beispielsweise in den Bereichen KI, IoT und Wearable-Technologien, prägen aktuelle Trends im Medical Device Design und ermöglichen intelligentere, vernetzte und datengetriebene Gesundheitslösungen. Diese Innovationen unterstützen die Echtzeitüberwachung, prädiktive Diagnostik und personalisierte Behandlungspläne. Gleichzeitig gewinnen patientenorientierte Prinzipien in der Entwicklung an Bedeutung: Sie rücken Benutzerfreundlichkeit, Barrierefreiheit und das gesamte Patientenerlebnis in den Mittelpunkt, um die Einhaltung des Therapieplans zu verbessern und auf diese Weise optimalere Behandlungsergebnisse zu erzielen. Mit Blick nach vorn sieht sich die Branche Herausforderungen gegenüber, etwa der Navigation durch komplexe regulatorische Rahmenbedingungen, der Sicherstellung der Cybersicherheit und der verantwortungsvollen Integration neuer Technologien. Diese Herausforderungen eröffnen jedoch zugleich Chancen für Innovation, Zusammenarbeit und die Entwicklung wirkungsvollerer und inklusiverer Medizinprodukte.

Medizinproduktentwicklung mit MATLAB und Simulink 

MATLAB® und Simulink® bieten leistungsfähige Modellierungs-, Simulations- und Analysefunktionen, die die Entwicklung moderner Medizinprodukte unterstützen. MATLAB wird umfassend für die Analyse biomedizinischer Daten, die Signalverarbeitung und die Entwicklung von KI-Algorithmen eingesetzt, die Anwendungen wie medizinische Bildgebung, Patientenüberwachung und personalisierte Medizin unterstützen. Simulink, eine für Model-Based Design entwickelte Blockdiagrammumgebung, ermöglicht Ingenieuren die Entwicklung, die Simulation und den Test komplexer Systeme für Medizinprodukte wie Beatmungsgeräte, Infusionspumpen, Operationsroboter und bildgebende Systeme. Model-Based Design verbindet Modellierung und Simulation mit schnellem Hardware-Prototyping – ein Ansatz, der die Qualität erhöht und die Entwicklungszeit verkürzt. Zudem unterstützen MATLAB und Simulink umfassende Test-, Verifikations- und Zertifizierungsprozesse gemäß den Normen IEC 62304 und IEC 82304 für Medizinprodukte- und Gesundheitssoftware und helfen Teams dabei, lokale regulatorische Anforderungen zu erfüllen.


Beispiele und Anleitungen

Erfolgsberichte von Kunden

Videos

Dokumentationsbeispiele


Siehe auch: Softwarevalidierung für FDA-Anforderungen, Software als Medizinprodukt (SaMD), System Composer, Simulink Fault Analyzer